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Bitterstoffe stärken Immunsystem und Magen-Darm

von 20. Dezember 2020 Januar 28th, 2021 Keine Kommentare

Süße Plätzchen oder Stolle, ein gut gewürzter Braten oder ein schönes Pfeffersteak – die Geschmacksrichtungen süß, salzig oder auch mal scharf mögen wir gern. Aber wann haben wir zuletzt etwas Bitteres gegessen? Den meisten von uns dürften sich schon allein bei der Vorstellung die Gesichtsmuskeln zusammenziehen. Die Lebensmittelindustrie hat uns nämlich sehr erfolgreich auf die Lockstoffe süß und salzig konditioniert. Was aber zu Gesundheit, Vitalität und auch einem schlanken Erscheinungsbild führt, das ist die Geschmacksrichtung bitter! Gerade jetzt in der Weihnachtszeit tut uns „bitter“ bitter nötig. Daher möchte ich – gemeinsam mit der Ernährungsexpertin Angela Heymann aus dem sächsischen Hartmannsdorf – ein bisschen Lust machen auf diesen vergessenen Allrounder für unsere Gesundheit.

Dies ist ein Audio-Beitrag, der vor Weihnachten 2020 bei MDR Kultur gesendet wurde. Aus rechtlichen Gründen hier nicht das Audio, sondern nur das Manuskript.

 

Wer jetzt im Winter Radiccio, Chicoree oder Kohlgemüse auf den Tisch bringt, ist dem Geschmack Bitter schon mal auf der Spur. Allerdings heutzutage nur noch in sehr abgemilderter Form. Denn die Bitterstoffe sind aus Salat und Gemüse weitgehend heraus gezüchtet worden. Alles soll schön gefällig schmecken. Dass wir uns damit auch um viele Vital- und Heilstoffe bringen, die unser Körper dringend braucht, das ist kaum jemandem bewusst.

O-Ton Angela Heymann: „Wenn wir den Reigen der Geschmäcker nicht voll bedienen, also dass das Bittere nicht mit dabei ist, dann fühlen wir uns nicht rundum gut ernährt. Wie zeigt sich das? Ich habe hier Personen, wenn sie keinerlei Gemüsesorten in ihren Alltag integrieren, dann wird sehr viel Zucker konsumiert in Form von Weißmehl, in Form von Süßigkeiten, in Form von stark verarbeiteten Lebensmitteln. Und sie  bezeichnen das manchmal schon als Zuckersucht: Ich bin abhängig von dem Süßen“

Aus ihrer langjährigen Praxiserfahrung als Ernährungsberaterin weiß Angela Heymann: In einer Zeit, wo Stress zum Alltag gehört, wo uns das Leben oftmals bitter aufstößt, da schreien die Menschen regelrecht nach Süßem.

O-Ton Angela Heymann: „Nehmen sie dann auch bitterstoffhaltige Gemüsesorten und Kräuter mit in ihre Alltagsspeisen auf, dann berichten sie, dass sie mit dem Süßen viel besser umgehen können. Dass sie einfach sagen: ich bin jetzt Herr im Hause und bestimme selbst, wann ich wie viel von dem Süßen essen kann“

Wer also unstillbaren Appetit auf etwas Süsses hat, dem empfiehlt Angela Heymann, stattdessen Amara- also Bittertropfen aus der Apotheke zu sich zu nehmen. Ein paar Tropfen reichen bereits, um die Gelüste zu zügeln. Bitterstoffe gehören zu der Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe, wie etwa Carotinoide oder Flavonoide, die für unsere Gesundheit unverzichtbar sind. Viele körperliche Beschwerden könnten wir allein durch Bitterstoffe kurieren.

O-Ton Angela Heymann: „Sie stärken nicht nur unser Immunsystem, was gerade jetzt in dieser Corona-Zeit so wichtig wäre, weil es ja das ist, was wir jetzt selber aktiv dagegen tun können. Sie regulieren nicht nur Verdauungsenzyme, Verdauungsstoffe. Sie setzen vor allem schon über den Geschmack unsere Verdauung in Gang. Also über die Rezeptoren im Mund wird freigesetzt und stimuliert, was sozusagen an Magensekret gebildet wird, was dann weitergeht, was die Leber über die Gallenproduktion freisetzt bis hin zur Bauchspeicheldrüse, dass auch Bauchspeicheldrüsensekrete freigesetzt werden, die für unsere Verdauung wichtig sind“.

Damit aber nicht genug, die Bitterstoffe sind auch für den Darm wichtig.

O-Ton Angela Heymann: „Und wenn wir dann wieder schauen: Wo wird das Immunsystem stimuliert, das ist ja zu 80 Prozent in unserer Darmregion. Und hier sieht man auch wirklich den Zusammenhang: Bitterstoffe –  Verdauung – Immunsystem stärkende also Abwehr fördernde Wirkungen.“

Fehlen diese Stoffe (wie in unserer modernen Ernährung), funktioniert weder die Verdauung noch das Immunsystem richtig. In die Praxis von Angela Heymann kommen immer mehr Menschen mit Verdauungsbeschwerden: Sodbrennen, Bauchschmerzen, Reizdarm, Blähungen, Verstopfung und insbesondere: alle möglichen Unverträglichkeiten und Allergien.

O-Ton Angela Heymann: „Und wenn man schon zu Urzeiten gesagt hat: Der Tod sitzt im Darm, dann ist mir heute völlig bewusst, dass das genau ein Thema unserer Zeit ist und wir aufpassen müssen, denn wir landen bei den meisten Erkrankungen irgendwo bei der Darmgesundheit. Und da tragen gerade die Bitterstoffe dazu bei, unsere Darmgesundheit zu fördern, zu stimulieren. Und wir können heute gar nicht genug auf unsere Darmgesundheit achten.“

Wer wieder Bitterstoffe in seine Ernährung integrieren möchte, der kann zu Rucola, Artischocken oder verschiedenen Kohlsorten greifen. Besonders hohe Dosen finden sich in Heilkräutern wie Ingwer, Salbei, Rosmarin, Oregano oder in Wildkräutern wie Sauerampfer, Mariendistel und Löwenzahn. Die Möglichkeiten in der Küche sind vielfältig.

O-Ton Angela Heymann: „Wenn man ein Gärtchen hat und nimmt sich in seine Salatzubereitung, in Kräuterquark, in Kräuterbutter ein Blättchen vom Salbei mit, ein Blättchen vom Löwenzahn, etwas Schafgarbe, wenn man noch das Tausendgüldenkraut finden würde, um so besser – dann hätte man schon einen wunderbaren Reigen“

Die Erfahrung der Ernährungsexpertin: Eine Abneigung gegen Bitterstoffe deutet meist darauf hin, dass sie besonders gebraucht werden.

 

 

 

 

 

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